Science Based Training

Das Messen von Ermüdung und Erholung im Sport nimmt in den letzten Jahren einen zunehmend größeren Stellenwert ein, so dass hierzu immer mehr Forschung mit immer neueren, bzw. genaueren Ergebnissen betrieben wird. Die Schwierigkeit hierbei besteht darin, einen Mittelweg aus „praktikabel“ und „wissenschaftlich gesichert“ zu finden. Hier sollen zunächst einmal die aktuell gängigen/erforschten Parameter zum Messen von physiologischer & psychologischer Ermüdung vorgestellt werden.

Fragebögen 

Mittels unterschiedlicher Fragebögen lässt sich das subjektive Belastungsempfinden relativ gut erheben. Auf einen dieser Fragebögen greifen auch wir zurück.

Dem Sportler selbst wird hierbei nicht zwangsläufig sofort klar, um welche Parameter (Dimensionen von Ermüdung) es geht. Diese werden dann erst beim Auswerten mittels des entsprechenden Schlüssels deutlich.

Werden diese Fragebögen in regelmäßigen Abständen ausgefüllt, lassen sich Abweichungen von einer zuvor gezogenen „Baseline“ gut messen und mit zusätzlichen Parametern (z.B. Herzfrequenz-Parametern) interpretieren.

Die in der Praxis gängigen Fragebögen zum Erfassen des subjektiven Belastungsempfindens sollen im Folgenden aufgezählt und kurz erläutert werden.

  • DALDA (Daily Analyis of Life Demand for Athletes)
  • DOMS (Delayed Onset Muscle Soreness)
  • REST-Q (Recover Stress Questionnaire for Athletes)
  • POMS (Profile of Mood State)

Studien u.a.: Cheung, K. et al, 2003, Gomes, R. V. et al., 2013.

Herzfrequenz-Werte

Das Überwachen der eigenen Herzfrequenz im Training ist wohl der gängigste Parameter in der Praxis. Diese richtig zu interpretieren, ist allerdings nicht zwangsläufig so einfach wie es zunächst scheint. Mittlerweile haben sich viele verschiedene die HF betreffende Parameter etabliert, welche im folgenden kurz aufgelistet werden sollen.

  • Ruhe-HF
  • Maximale HF
  • HF-Variabilität
  • HF-Erholung 

Grundsätzlich geht es bei HF-Werten darum, Abweichungen von einer individuellen Norm auszumachen und entsprechend zu interpretieren, was allerdings aufgrund der Sensitivität der Herzfrequenz (z.B. abhängig vom Klima, dem Schlaf der letzten Nacht oder der Ernährung, u.a.) nicht immer einfach ist und schnell zu Fehl- bzw. Überinterpretationen führen kann.

Studien u.a.: Lamberts et al., 2010Mann, et al., 2015,  Hedelin et al., 2000, Daanen, H. A. M. et al., 2012 Siegl, A. et al., 2017.

Enzyme & Blutwerte

Werte im Blut können relativ genaue Aussagen über den Ermüdungszustand eines Athleten zulassen, allerdings sind sie auch am aufwendigsten (und teuersten) zu messen, da hierfür in der Regel ein Besuch im Labor ansteht.

  • CK (Creatin Kinase)
  • Harnstoff
  • Ammoniak
  • Leukozyten
  • Cortisol
  • Laktat

Studien u.a.: Hecksteden, A. et al., 2016, Ross, J. et al., 2016 & Hedelin et al., 2000 & Coutts, A. J. et al., 2007.

Hormone & Immunologische Parameter 

Ähnlich wie bei den zuletzt genannten Parametern lassen sich aufgrund hormoneller Reaktionen auf Belastung des Organismus Rückschlüsse auf den aktuellen Ermüdungszustand ziehen. Allerdings sind auch diese Tests teuer und relativ aufwendig. 

  • Katecholamine
  • Plasma-Konzentration
  • Testosteron & Kortisol Verhältnis
  • T-Zellen (CD45 RO+)
  • Glutamin
  • Glutamin/Glutamat Verhältnis

Studien u.a.: Gomes, R. V. et al., 2013 & Coutts, A. J. et al., 2007.

Die folgende Grafik (zu finden in der Studie von Urhausen und Kindermann) fasst alles oben stehende noch einmal zusammen:

Tool   Changes in OTS Suitability
Sports Specific Performance (Sub)maximal Exercise Gold Standard; regular testing problematic (in most sports)
Ergometric Performance Anaerobic Threshold (↑) Does not diagnose OTS, but targets other training errors
  Maximal Exercise ↓ or ↔ Incremental graded tests less sensitive than tests-to-exhaustion (or time-trials)
Neuromuscular excitability At rest Difficult method; needs more data
Mood Profile At rest Very sensitive; may be manipulated
Subjective complaints At rest, submaximal exercise “Heavy legs”: very common; sleep disorders: less common; may be manipulated
BORG-Scale submaximal exercise (↑) Small changes
Heart Rate At rest ↑ may indicate other problems (infection)
  Variability ? Insufficient data
  Maximal exercise (↓) Rather small changes
Respiratory exchange ration (Sub)maximal Exercise Limited data
Lactate Submaximal exercise (↓) Does not diagnose OTS, but excludes other training errors
  Maximal exercise Typical change, but probably not in every sport
CK, urea At rest ↑ may indicate muscular overuse or prolonged carbohydrate depletion
Testosterone At rest ↓ may indicate high physiological strain?
Cortisol At rest ↑ may indicate high physiological strain?
  Maximal exercise (↓) Differentiation between intensive training and OTS may be questionable
ACTH Maximal exercise Very sensitive, differentiation between intensive training and OTS may be questionable
Catecholamines Excretion (urine) Marked ↓ as late indicator of OTS
  Maximal exercise (plasma) ↓ or ↔ Parallels changes of lactate
ACTH = adrenocorticotropic hormone, CK = creatine kinase, ↓ = decreased, (↓) = slightly decreased, ↔ = unchanged, ↑ = increased, (↑) = slightly increased, ? = not established

Quelle: Urhausen et al., 2002

Wie messen wir?

Wir sind bemüht, mit unseren Methoden eine möglichst gute Mischung aus wissenschaftlich gesicherten Parametern/Messungen und für unsere Kunden praktisch durchführbare Tests zu gewährleisten. Dass wir nicht jede Woche einen submaximalen Belastungstest oder Laboruntersuchungen „verordnen“ können, versteht sich von selbst.

Deshalb haben wir uns (auf Grundlage des aktuellen* Forschungsstandes) dafür entschieden, unsere Kunden alle 7 Tage einen DALDA-Fragebogen (siehe oben) ausfüllen, sowie in regelmäßigen Abständen einen submaximalen Lauf-Test absolvieren zu lassen.

Somit ist eine Überwachung der körperlichen Ermüdung gesichert, ohne dafür zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Der submaximale Lauf-Test beispielweise lässt sich gut vor einer ohnehin geplanten Laufeinheit durchführen.

Wer Daten einer aktuellen Leistungsdiagnostik vorliegen hat, kann uns diese zum Berechnen der individuellen Intensitäten zur Verfügung stellen. Andernfalls ziehen wir aus praktischen Gründen die maximale Herzfrequenz eines jeden Athleten heran, welche wir mittels eines standardisierten Tests ermitteln.

Im Anschluss erstellen wir das Protokoll für deinen individuellen submaximalen Test, den wir, wie bereits erwähnt, in regelmäßigen Abständen in dein Training einbauen, um deinen Trainingsstand so zu überwachen. 


* Diese Seite wird ständig aktualisiert und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.


P.S.: Einen guten Überblick gibt die Studie „Diagnosis of Overtraining: What Tools do We have?“ von Urhausen und Kindermann aus der die oben stehende Grafik stammt, sowie die Zusammenfassung der Thematik des ECSS (European College of Sports Science) und dem ACSM (American College of Sports Medicine, sie Quellen).

Quellen: